Geschichte

Saldern (bis zum 17. Jahrhundert Salder) ist der Name eines alten Adelsgeschlechts aus dem Hildesheimer und Braunschweiger Land, ursprünglich hochfreien Standes. Das gleichnamige Stammhaus Schloss Salder liegt an der Fuhse in Salzgitter-Salder.

Vögte des Klosters Steterburg

Mit Thidericus de Saldere 1161 urkundlich (Urkundenbuch des Hochstifts Hildesheim 1, S. 308-311) unter den nobiles layci zuerst erschienen und dessen Stammreihe mit dem Reichsritter Burchard v. Salder, urkundlich 1226-1253, beginnt. Erste Erwähnung der Familie bereits 1102-1124 in dem Chronicon coenobii Sancti Michaelis in Hildesheim, ordinis Sancti Benedicti.

“Als Vögte des Klosters Steterburg konnten sie ihre gehobene Stellung vorübergehend halten. Doch mußten sie sich längerfristig dem niederen Adel eingliedern.“ (von Reden-Dohna, 1999, S. 211).

Mehrfach-Vasallität

„Aller­dings zeugen ihre Heiraten, etwa mit Mitgliedern des Grafenhauses von Wohldenberg, von ihrer gewiß nicht immer bequemen Stellung zwischen dem Ritterstand und dem Hochadel. Die Grafen von Wohldenberg statteten die von Saldern mit Grundbesitz reichlich aus, und zwar gerade auch im Ambergau, wie ein Lehnsverzeichnis von 1325 zeigt. Die Fürstbischöfe von Hildesheim setzten dies fort. Sie fügten zu weit gestreuten Grundrechten in der Mitte des 15. Jahrhunderts noch andere bei Goslar hinzu. Viel verdankten die von Saldern auch den Herzögen von Braunschweig seit der Zeit Heinrichs des Löwen, dessen Dienstmannen sie wur­den. Aus dem doppelten Lehnsverhältnis — zum Fürstbischof und zum Herzog von Braunschweig, die oft Rivalen waren — konnten die von Saldern offenbar ihren Vorteil ziehen.

Mehrfach-Vasallität, wie sie hier deutlich zu erkennen ist, verlieh eine größere Unabhängigkeit. Neben den Wohldenbergern gaben auch andere Grafen und Herren (Everstein, Blankenburg, Meinersen, Regenstein, Schlad) den Salderns Grundbesitz, und nicht zuletzt der Dompropst und das S St. Moritz in Hildesheim. Ihre Sitze in Equord und Nettlingen begründeten Zugehörigkeit zur Hildesheimer Ritterschaft. Den anderen Streubesitz teilten jeweils nach Erfordernis immer wieder neu auf und ordneten einzelne Teile den Sitzen zu. Auffallend ist, daß die Salderns gelegentlich auch dort beachtliche Grundrechte erwarben, wo andere einen Rittersitz hatten: in Schwicheldt, Dingelbe und Heere. Ihre weitreichenden Verbindungen glichen einem starken Netz.

So konnten sie den Bischöfen erhebliche Darlehen geben, die ihnen dafür dem 14. Jahrhundert Burgen und »Häuser« (Ämter) zur Nutzung einräumten. Es gab wohl keine Burg im Fürstbistum Hildesheim, die nicht irgendwann die Salderns als Pfandbesitz innegehabt hatten! Die bedeutendste war Burg Lauenstein am Ith. Sie kontrollierte einen großen Amtsbezirk zwischen Hameln und Gron woraus auch nennenswerte Einkünfte flossen.” (von Reden-Dohna, 1999, S. 212ff)

Stiftsfehde 1519

„Gegen die planmäßige Einlösung der Pfandgüter, die Fürstbischof Johann betrieb, wehrte sich Burchard von Salder auf Lauenstein (gest. 1550), womit er 1519 die Stiftsfehde auslöste. Nicht nur große Teile der Ritterschaft, sondern die Herzöge von Wolfenbüttel und Calenberg standen hinter ihm. Die Stiftsfehde führte 1523 zur katastrophalen Teilung Hildesheimer Territoriums.

Mit dieser Belastung, nämlich durch eine entschiedene Kompromißlosigl eine unabsehbare Krise mitverursacht zu haben, mußte die Familie seither leben. Sie tat es, indem sie weiterhin ihren prestigereichen Hauptwohnsitz auf dem Lauenstein, ziemlich abgehoben von der übrigen Ritterschaft, beibehielt. Denn Herzog von Calenberg, der ja als Landesherr den Salderns den Zugewinn des Amtes Lauenstein nach der Stiftsfehde verdankte, beließ hier die Verhältnisse wie sie waren. Dies änderte sich, als Herzog Julius von Braunschweig-Wolfenbüttel das Herzogtum Calenberg erbte. Er bezahlte Heinrich von Saldern die stattliche Pfandsumme und setzte 1587 die sofortige Räumung des Lauenstein durch. E modernere, frühabsolutistische Auffassung vom Fürstenstaat, wie sie seit Heim dem Jüngeren in Wolfenbüttel und dem daran hängenden Teil des Großen Stiftes praktiziert worden war, holte die Salderns ein.

Auf Ähnliches hatte sich Heinrich von Saldern, den seine Zeitgenossen für klug und welterfahren hielten, gefaßt gemacht. Als Haupt der Familie hatte er beim Anfall des von Heereschen Lehens, Henneckenrode, dort vorsorglich ein Schloß erbaut (1578-1580). Nur kurz hat er darin gewohnt, denn schon 1588 starb er. Die wachsenden Auseinandersetzungen seiner Brüder mit Herzog Heinrich Julius, die schließlich auch die Ritterschaft und der Landtag involviert waren, förderte ein beispielloses Maß an gegenseitigem, persönlichen Haß zutage. Dabei spielte eine große Rolle, daß die Salderns sich mit der Stadt Braunschweig solidarisierten, die aus alter hansischer Tradition jegliche Einflußnahme des Landesfürsten abwies. So hatte sich also das Bündnis der Salderns mit dem Hause Wolfenbüttel der Stiftsfehde in das Gegenteil verkehrt! Es war ein grundsätzlicher Konflikt, der darin gipfelte, daß die Salderns einer Ladung des Herzogs, zu einer Gerichtsver­handlung in Wolfenbüttel zu erscheinen, nicht folgten. Doch anders als bei der Stiftsfehde fanden sie in ihrem Widerstand bei der Ritterschaft keine Anhänger mehr, mit Ausnahme der Söhne und Schwiegersöhne ihrer Schwestern (siehe Wispenstein, Irmenseul, Sellenstedt). Heinrich Julius verurteilte schließlich den ganzen Familienverband — die Salderns, Stöckheims, Wallmodens, Oldershausens, Steinbergs und Rauschenplats — wegen Nichtbeachtung des Gerichts zu hohen Geldstrafen. Gewiß war die dadurch angewachsene Verschuldung das Motiv, daß die von Saldern bald darauf das Land verließen. Die eigentliche Ursache indessen lag wohl eher darin, daß sie seit der Stiftsfehde nicht bereit waren, den sich straffen­den Territorialstaat zu akzeptieren. Dies trieb sie in die politische Isolation. Sie wanderten nach Brandenburg aus, wie es schon nach der Stiftsfehde ein Onkel getan hatte, dessen Nachkommen dort mit der Plattenburg und mit Wilsnack sehr angesehene Sitze erworben hatten und bis 1945 besaßen. (von Reden-Dohna, 1999, S. 213)

 

Mehr bei Wikipedia

Im Adelslexikon von Kneschke, Band VIII, aus dem Jahre 1868 heißt es:
„Saldern (in Gold eine rothe, oder auch blaue Rose). Altes, braunschweig-hannoversches, in der Stimmheimath bereits im 13., 14. und 15, Jahrh. sehr ansehnlich begütertes Adelsgeschlecht aus dem schon 870 erworbenen, gleichnamigen Stammsitze an der Fuse. westlich von Wolfenbüttel , welches später in der Mark Brandenburg, besonders in der Priegnitz und Uckermark, so wie in Meklenburg und im Lippeschen ansässig wurde. — Nach Angabe Einiger soll die Familie von dem römischen Geschlechte der Rossiner stammen, lange sich de Rosis geschrieben und später von der erwähnten Besitzung im Braunschweigischen sich Saldern geschrieben haben. Als Stammvater wird dann Sieghardt de Rosis genannt, welcher mit dem heiligen Bonifacius in der ersten Hälfte des 8. Jahrh. nach Deutschland kam. Den Rittersitz Saldern erwarb im obenangegebenen Jahre Cuno de Rosis.— Später verliess unter Burchhardt v. Saldern, einem Freunde der Reformation, um 1519, nach der Schlacht auf der Soltauer Heide, die Familie die Länder jenseits der Elbe und nahm diesseits kurbrandenburgische Lehne an. Matthias v. S., gest. 1675, kurbrandenb. Hauptmann zu Lehnin, Rath und Oberstkämmerer, brachte die Plattenburg an das Geschlecht, und nach der Mitte des 15. Jahrh. stifteten die Enkel des Siegfried Christoph v. S. , gest. 1715 als k. preuss. Geh.-Rath und Vicepräsident des Fürstenthums Halberstadt … die noch blühenden Linien zu Wilsnach und Plattenburg.“

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